12 08, 2022

Angst erzeugt Stress!

2022-08-12T06:10:24+01:0012. August 2022|

In der täglichen Beratungsarbeit stehen die Tiere im Mittelpunkt, das ist selbstverständlich. Wenn ich einen Viehbetrieb besuche – egal ob in Kasachstan oder in Deutschland –  versuche ich immer, mir ein klares Bild von täglichen Abläufen ​​zu machen. Es beginnt mit „Beobachten und Registrieren“, dem folgt stets das Gespräch mit dem Herdenmanager zur Analyse und Auswertung.

Es ist interessant und wichtig, zu sehen und zu hören, wie das Stallpersonal mit den Tieren interagiert. Zeigen die Tiere Stressreaktionen als Ausdruck von Angst oder bleiben sie „cool“?

Tiere sehen im Menschen oft eine potentielle Gefahr, manchmal ist er für sie auch uninteressant und sie beachten ihn kaum. Auf jeden Fall ist er so etwas wie der „Futtergott“ und er kann auch als Sozialpartner wahrgenommen werden. Alle Varianten erlebe ich in den verschiedensten Ausprägungen.

Fakt ist, dass Stressreaktionen das endgültige Produktionsergebnis deutlich beeinflussen. Stress reduziert die Milchleistung. Ein gutes Beispiel sind die Unterschiede in der Gesamtmelkzeit und Gesamtmilchleistung zwischen verschiedenen den Melkteams auf dem gleichen Betrieb. Herdenmanager kennen diesen Effekt, können ihn oft aber nicht erklären.

Angst und Stress verursachen ein negatives Verhalten des Tieres, Kühe stehen nicht ruhig, geben die Milch nicht her – wir alle kennen diese Situationen. Was passiert? Die Melker werden ungeduldig, der Teufelskreis in der Mensch-Tier-Beziehung beginnt.

In den modernen Haltungsverfahren kommt es kaum noch zu unbelasteten Kontakten zwischen Mensch und Tier. Wenn es überhaupt zu Berührungen kommt, dann verursachen Maßnahmen wie Enthornen, Klauenpflege und Impfungen dem Tier Schmerzen. Im Ergebnis sind erleben die Tiere Angst und Stress und einem Verlust an Tierwohl, dem Mensch widerfährt ein Mangel an Arbeitssicherheit, Effizienz, Ertrag und Zufriedenheit.

Dieser negative Teufelskreis kann nur durch eine Änderung der inneren Einstellung der Tierbetreuer durchbrochen werden. Ändert sich das Verhalten des Menschen positiv, wird sich mit der Zeit auch das Verhalten der Tiere positiv verändern.

Uwe Weddige

Foto: KFM

8 08, 2022

Milchaustauscher richtig dosieren

2022-08-08T06:57:58+01:008. August 2022|

Unter 1.000 g Milchaustauscher pro Tag geht es nicht! Aber nicht nur die Menge, sondern auch die Konzentration des Pulvers beeinflussen maßgeblich die Gesundheit und Entwicklung von Kälbern. Vollmilch und Milchaustauscher (MAT) erfüllen zwar den gleichen Zweck, sie unterscheiden sich jedoch in vielen Punkten.

1 l Vollmilch besteht aus rund 87 % Wasser und zu 13 % aus Feststoffen und Nährstoffen. Vergleicht man die Nährstoffe, Energie und Eiweißgehalt der Vollmilch mit denen von guten Milchaustauschern, werden von einem hochwertigen Milchaustauscher 150 g benötigt, um die Nährstoffe von 1 l Vollmilch mit etwa 13 % Trockensubstanzgehalt zu erreichen. Für 1 Liter fertige Tränke müssen also 850 g Wasser und 150 g Pulver verwendet werden.

Im Winter den „Kältezuschlag“ nicht vergessen! Sinken die Umgebungstemperaturen unter 15°C bis zur 3. Lebenswoche bzw. unter 5°C ab der 3. Lebenswoche steigt der Energiebedarf des Kalbes für seine Erhaltung um ca. 30% an. Deswegen sollten mindestens 250 g MAT je Kalb und Tag zusätzlich gegeben werden.

Wassertemperatur im Auge behalten! Nur bei korrekten Temperaturen vermischen sich die Komponenten zu einer stabilen und gut verdaulichen Flüssigkeit. Beachten Sie unbedingt die Angaben des Herstellers.

Kontrolle nicht vergessen! Füllen Sie ein wenig Tränke in ein Glas und beobachten Sie, ob sich Bestandteile auf dem Boden absetzen.

Diese Tipps lesen Sie auch im KFM-Merkblatt „Milchaustauscher (MAT) richtig füttern!“, hier geht es zum Download.

Uwe Weddige

3 08, 2022

Hitzestress: Kühe richtig kühlen

2022-08-03T06:42:42+01:003. August 2022|

Wassersprinkler und Ventilatoren laufen im texanischen Sommer fast ununterbrochen. Angesichts einer extremen Hitzewelle, rüsten Landwirte ihre Kühlsysteme weiter auf, um sicherzustellen, dass es ihren Kühen so gut wie möglich geht.

Joseph Osinga, der in Zentraltexas mit 1.600 melkenden Kühen und im nördlichen Illinois mit 1.400 melkenden Kühen Milch erzeugt, klagt über die überdurchschnittlichen Temperaturen: „Obwohl meine Kühe überwiegend in querbelüfteten Ställen untergebracht sind, laufen Ventilatoren und Springler auf Hochtouren.“ Osinga konnte dank der ausgeklügelten Kühltechnik aber bisher keine Veränderung bei der Futteraufnahme oder der Milchmenge feststellen: „wir sind heute tatsächlich bei 42 kg und offensichtlich halten die Kühe diese Menge“.

3 wichtige Tipps von Juan Piñeiro, Assistenzprofessor und Milchspezialist in Texas:

– Reinigen Sie Ihre Ventilatoren vor Beginn des Sommers, um deren Effizienz zu steigern und richten Sie die Geräte in einem 30-Grad-Winkel zum Boden aus.

– Ventilatoren sollten für eine angemessene Luftbewegung um die Kühe herum sorgen. Dies gilt für den Fressbereich wie auch für Liegeboxen. Besonders im Liegen können Kühe nur schlecht Wärme abgeben, deswegen sind Lüfter dort extrem wichtig.

– Nutzen Sie die kombinierte Wirkung von Ventilatoren und Sprinklern im Wartehof vor dem Melkstand. Wenn die Umgebungstemperatur über 30°C beträgt, sollten die Sprüher alle fünf Minuten für kurze Zeit aktiviert werden.

Darüber hinaus betont Piñeiro, dass die Kombination aus einer guten Wärmedämmung des Melkhausdaches mit einer leistungsstarken Lüftung sowohl den Kühen als auch den Melkern zu Gute kommt.

Uwe Weddige (Quelle: DairyHerd)

21 07, 2022

Medikamente sicher aufbewahren

2022-08-02T05:44:11+01:0021. Juli 2022|

Auf jedem Milchviehbetrieb gibt es eine Stallapotheke. Manche sind vorbildlich eingerichtet, andere überzeugen weniger.

Grundsätzlich sollte ein Arzneimittelraum oder -schrank abschließbar und nur für befugte Personen zugänglich sein. In großen Stallanlagen ist es mit einem Raum an zentraler Stelle oftmals nicht getan. Ein zusätzlicher Platz in der Nähe der Kranken- und Abkalbeboxen erspart weite Wege.

Sauber, trocken und gut beleuchtet sollte es in der Umgebung des Schrankes bzw. im Lagerraum sein. Wichtig ist, dass die Medikamente trotzdem möglichst lichtgeschützt gelagert werden.

Oftmals nicht bedacht werden die Frostgefahr sowie die Erwärmung durch direkte Sonneneinstrahlung. Die Lagertemperatur sollte zwischen 15° und 25°C liegen. Verschiedene Medikamente, beispielsweise Impfstoffe, müssen sogar zwischen 2 bis 8 °C aufbewahrt werden. Ohne Kühlschrank wird es in keinem Betrieb gehen. Diese Schränke und Kühlschränke dürfen zudem nicht für andere Zwecke, also keineswegs für Lebensmittel und Getränke, verwendet werden.

Der Übersicht halber sollten angebrochene Gebinde gut sichtbar von verschlossenen getrennt sein. Anders als auf dem Foto sind Kanülen nicht in den Durchstichdeckeln angebrochener Flaschen zu belassen. Grundsätzlich sollten alle Medikamente nach dem First-in-/First-out-Prinzip gelagert werden.

In direkter Nähe zum Medikamentendepot lagern sinnvollerweise auch saubere Einwegspritzen, Kanülen, Einweghandschuhe, OP-Besteck sowie Desinfektionsmittel für die Einstichstelle. Ebenfalls benötigt wird ein verschließbarer Mülleimer, der die benutzten Kanülen und Spritzen aufnimmt. In der Gülle oder im Mist haben diese Dinge nichts zu suchen!

Uwe Weddige

18 07, 2022

Kälberstall bauen – 5 Tipps

2022-07-14T07:59:07+01:0018. Juli 2022|

Stallvarianten gibt es viele, oft funktionieren sie jedoch eher schlecht. Was gilt es unbedingt zu beachten?
1. Lüftung: die Wirkung schlechter, feuchter Luft und hohen Ammoniak-Konzentrationen durch geringen Luftaustausch sind bekannt. Erkrankungen der Atemwege, geringe Futteraufnahmen und nicht endende Gesundheitsprobleme bei den Kälbern sind die Folge. Ohne frische Luft geht es nicht. Im Sommer nutzt man offene Wände und Lüftungsfirste, im Winter bringen Schläuche Luft in den Stall.

  1. Kälber-Komfort: das Tierverhalten zeigt uns, ob Kälber sich wohl fühlen. Gesunde Kälber sind neugierig, besaugen sich nicht und spielen miteinander. Wichtig ist ausreichende und trockene Einstreu. Sie bietet eine gepolsterte Liegefläche, nimmt Feuchtigkeit auf, die Tiere bleiben sauber und das Risiko für Krankheiten und Stress sinkt. Daneben sorgen Stroh und Spielzeug für Beschäftigung und Tierwohl.
  2. Witterungsschutz: Kasachstans Witterungsextreme stellen großer Herausforderungen an Stall und Tierbetreuer. Bei hohen Temperaturen leiden Kälber unter Hitzestress, schattenspendende Dächer für Kälber in Iglus schaffen Abhilfe. Im Winter dagegen frieren Kälber schnell, schon bei Temperaturen oberhalb der Frostgrenze müssen sie über das Aufstellen der Haare, Zusammenkauern und Zittern Wärme produzieren, dafür benötigen sie viel Energie. Für eine gute Entwicklung sind eine geschützte Unterbringung sowie eine erhöhte Energieversorgung im Winterhalbjahr daher zwingend notwendig.
  3. Sauberkeit und Hygiene: saubere Einstreu sowie die regelmäßige Reinigung der Iglus und Nuckeleimer tragen wesentlich zur Entwicklung der Kälber bei. In einer unsauberen Umgebung dagegen muss ein Kalb viel Energie aufwänden, um sich gegen Hitze oder pathogene Keime zu wehren.
  4. Arbeitseffizienz: wenige und einfache Arbeitsgänge begeistern das Personal: ohne Analyse der notwendigen Arbeiten kann jedoch kein effizienter, praktischer und kostengünstiger Stall entstehen. Die Unterbringung und Versorgung der Kälber sollte so arbeitseffizient wie möglich gestaltet werden, ohne dabei Abstriche bei der Gesundheit von Mensch und Tier zu machen.

Uwe Weddige

15 07, 2022

KFM Milchprojekt Newsletter Juli 2022

2022-07-15T12:52:20+01:0015. Juli 2022|

Liebe Leser!

Gesunde Kälber sind die Grundlage für fruchtbare und leistungsstarke Milchkühe. Oftmals haben es aber besonders schwache Kälbern beim Start ins Leben nicht immer leicht. Erfahren Sie mehr über einfache Möglichkeiten zur Optimierung der Kälberaufzucht und -gesundheit in der Kolostrum- und Tränkephase.

Vollmilch kann genauso wie Milchaustauscher zum Erfolg führen. Besondere Beachtung schenken wir in diesem Newsletter dem Verfahren der sogenannten Kalttränke, außerdem geben wir wichtige Hinweise zur Vermeidung von Durchfällen und wie Sie mit dem gegenseitigen Besaugen der Kälber umgehen.

Lesen Sie, warum Kälber unbedingt Wasser zur Verfügung haben müssen und wie Sie mit einfachen Mitteln Ihren Tieren übermäßigen Stress in der Absetzphase ersparen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Freude beim Lesen und viel Erfolg im Stall

Hier geht‘s zum Download.

Ihr Team vom Milchprojekt

Foto: KFM

14 07, 2022

Gegenseitiges Besaugen verhindern!

2022-07-14T07:17:30+01:0014. Juli 2022|

Besonders Fleckviehkälber saugen intensiv an den Euteranlagen, am Nabel, Maul, Ohren und Schwanz. So können Verletzungen und Infektionen auftreten. Verletzungen in der Euterregion können dabei sogar zu langfristigen Schädigungen führen.

Das fütterungsbedingte Besaugen erfolgt oft in den ersten Minuten nach dem Tränken. Wenn die Kälber satt sind, lässt ihr Saugbedürfnis kontinuierlich nach. Diese Maßnahmen können helfen:

– Ad-libitum-Tränke und schwergängige Nuckel verlängern die Tränkezeit und fördern damit das Sättigungsgefühl. Die Kälber sollten mindestens fünf bis acht Minuten pro Mahlzeit saugen.

– die maximal möglichen Tränkemengen sollten ausgeschöpft werden, 6 Liter Vollmilch oder Milchaustauscher pro Tag reichen einfach nicht für die Stillung des Saugtriebes und eine gute Jugendentwicklung!

– eine Zugabe von Traubenzucker 2 g/l Milchtränke kann den Blutzuckerspiegel vorzeitig anheben und das Sättigungsgefühl beschleunigen.

– außerdem ist es wichtig, dass den Kälbern ausreichend schmackhaftes Grund-/Kraftfutter zur Verfügung steht.

– Kälber benötigen ausreichend Platz in einer eingestreuten Bucht, um sich bewegen zu können,

– Heunetze oder -bälle lenken die Kälber ab, ihr Spieltrieb wird gefördert.

Vor dem Abtränken sollten die Kälber ausreichend entwickelt sein und bereits Festfutter aufnehmen, um ein „Hungern“ zu vermeiden. Aber auch Stress oder das Haltungsumfeld können der Auslöser sein. Vor allem bedeuten Gruppen- oder Stallwechsel für die jungen Tiere Stress. Ist eine Umstallung unumgänglich, sollte sie nicht in Phasen fallen, in denen die Kälber bereits anderen Stressfaktoren (z. B. Enthornen, Abtränken usw.) ausgesetzt sind.

Uwe Weddige

Foto: KFM

11 07, 2022

Melktrainings für Pilotbetriebe

2022-07-11T05:11:26+01:0011. Juli 2022|

Seit Jahrtausenden nutzen die Menschen die Milch der Kuh als wertvolles Lebensmittel. Bis zur Entwicklung von Melkmaschinen Ende des 19. Jahrhunderts wurden Milchkühe ausschließlich mit der Hand gemolken. Heute wäre das undenkbar. Egal ob mit der Hand oder der Maschine: die Sorgfalt und Qualität des Melkens hat einen entscheidenden Einfluss auf die Eutergesundheit und auch auf die Qualität der Milch.

Jeder Melkstand ist etwas anders ausgerüstet und erfordert einen individuellen Arbeitsablauf. In den Melktrainings erlernen und üben die Melkerinnen und Melker dieses Protokoll. So ganz nebenbei zeigt der KFM-Projektleiter viele Handgriffe des fachgerechten Melkens und er erläutert stets, warum die einzelnen Schritte und die Zeitabläufe so wichtig sind.

Alles beginnt mit dem Einlassen der Tiere in den Melkstand, das muss möglichst ruhig geschehen. Laute Rufe oder Geklapper führen zu Stress bei den Tieren, in der Folge weigern sich manche Kühe, die Milch herzugeben. Aber auch dafür weiß der deutsche Experte einen Rat: „Wir verzichten auf die Injektion mit künstlichem Oxytocin, stattdessen blasen wir mit einem speziellen Rohr Luft in die Vagina der Kuh. Nach wenigen Sekunden läuft die Milch“.

Besonderen Wert legt Uwe Weddige auf die vorbereitenden Arbeiten, das sogenannte Anrüsten der Kuh. Predipping, vormelken und Sichtkontrolle der Milch sowie Euterreinigung sollen stets nach dem gleichen Schema ablaufen. Nur dann melkt die Kuh schnell und gründlich aus.

Die Zitzenbecher möglichst ohne Zischen ansetzen, den Milchschlauch richtig positionieren, damit das Melkzeug gerade hängt und auf geht’s zur nächsten Kuh: „melken ist eine qualifizierte Anlerntätigkeit, einfach und schnell zu erlernen und doch so wichtig für die Tiergesundheit“, kommentiert der studierte Landwirt zwischendurch.

Nachdem die Kuh „leer“ ist, nimmt die Abnahmeautomatik das Geschirr ab, noch ein Kontrollgriff ans Euter, die Kuh wird mit einem Pflegemittel an den Zitzen nachgedippt und geht zusammen mit den anderen Kühen zurück in die Liegehalle. Wasser und frisches Futter warten bereits.

Uwe Weddige

4 07, 2022

Wie geht Immunabwehr?

2022-07-04T08:20:47+01:004. Juli 2022|

Ein wichtiger Teil des Immunsystems unserer Kälber ist das Mikrobiom in deren Darm. Je vielfältiger, desto besser – so kann man ein gesundes Darmmikrobiom beschreiben.

Nur wenn alle Nischen des Darms von guten und nützlichen Mikroorganismen besiedelt sind, finden schädliche Mikroorganismen keinen Platz zur Vermehrung und sie werden einfach so wieder hinausgeschleust. Die Mehrheit verdrängt die Minderheit.

Ist alles intakt, stellen sich drei Schutzmechanismen unerwünschten Viren und Schadkeimen entgegen. Das Darmmikrobiom ist das Erste. Es folgt eine Schleimschicht mit Antikörpern, die eindringende Bakterien bindet und so unschädlich macht. Diese Antiköper werden zuerst mit dem Kolostrum aufgenommen und später von der Schleimschicht gebildet.

Das Problem: die Mikroben im Darm reagieren sehr empfindlich, besonders Stress schlägt ihnen auf den Magen und auch Antibiotika schädigen das wertvolle Mikrobiom. Die Gabe von Milch behandelter Kühe sollte daher unbedingt unterbleiben und ohne ein gutes Kolostrum geht es auch nicht, denn es unterstützt die Bildung eines guten Darmmikrobioms.

Die dritte Zone besteht aus den Darmzellen, die mit sogenannten „Tight Junctions“ verbunden sind. Passt die Fütterung nicht oder steht das Tier unter Stress, kommt es zum „Leaky Gut Syndrom“. Die Barriere ist zerstört und das Tier wird krank. Die Entzündungen müssen bekämpft werden. Beim Eintritt der Erreger in das Blut wird das spezifische Immunsystem aktiviert, aber das kostet zusätzliche Energie. Ein negativer Strudel entsteht, aus dem das Kalb kaum mit eigener Kraft herauskommt. Durch die Schmerzen sinken der Appetit und damit die Futteraufnahme. In der Folge wird die dringend benötigte Energie für die Genesung nicht aufgenommen.

Soweit darf es nicht kommen: das Kalb benötigt stets beste Bedingungen zum Aufbau eines ordentlichen Mikrobioms. Neben einem guten Kolostrummanagement kann auch die Fütterung von Prä- und Probiotika unterstützend wirken. Die Stärkung des inneren Schutzschildes zahlt sich mit gesunden und widerstandsfähigen Kälbern aus.

Uwe Weddige (Quelle: Laura Meyer-Kuhlmann)

 

27 06, 2022

Trockenstellen mit Zitzenversieglern

2022-06-27T06:34:38+01:0027. Juni 2022|

Viele Eutererkrankungen entstehen in der Trockenstehzeit, wobei die ersten beiden Wochen nach dem Trockenstellen und die letzten beiden Wochen vor der Abkalbung besonders kritische Phasen darstellen. Der Zitzenverschluss während dieser Zeit ist entscheidend.

Bei gesunden Tieren bildet sich eine Absonderung der Zitzenschleimhaut. Dieser sogenannten „Keratinpfropf“ schützt die Zitze während der Trockenstehzeit vor eindringenden Mastitiserregern.

Besondern bei leichtmelkenden Kühen mit Hornhautwucherungen an der Zitzenspitze ist der Strichkanal oftmals nicht geschlossen. Diese Hyperkeratosen sind bei kasachischen Kühen weit verbreitet, sie entstehen durch unsachgemäßes Melken. In der Folge verursachen sie ein erhöhtes Infektionsrisiko.

Die Entscheidung, ob ein interne Zitzenversiegler ausreicht oder ob es notwendig ist, einen antibiotischen Trockensteller zur Abtötung von Mastitiserregern im Euter einzusetzen, ist oft schwierig.

KFM bringt Licht ins Dunkel: kürzlich ergänzte das Team mit den beiden neuen Informationsschriften: „Kühe richtig trockenstellen“ und „Trockensteller richtig anwenden“ die umfangreiche Reihe seiner Checklisten und Merkblätter. Beide Dokumente beinhalten übersichtliche Hinweise zur Entscheidungsfindung und zur Anwendung der Präparate.

Uwe Weddige

Foto: Vet-Consult

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