Der Agrarwissenschaftler Prof. Wilhelm Windisch von der Technischen Universität München über die Effizienz der Kühe und den Irrsinn mit dem Laborfleisch:

„Ich finde Hafermilch grundsätzlich gut, als Ergänzung zur Milch von der Kuh. Für die Klimakrise ist Hafermilch keine Lösung, für das Problem der Welternährung auch nicht. Sie hat mit Milch eigentlich nichts zu tun. Sie enthält viel weniger Eiweiß, und sie ist ein Endprodukt der Lebensmittelerzeugung. Milch dagegen ist ein Primärprodukt der Tierhaltung, das zu Käse, Joghurt und noch vielen anderen Lebensmitteln verarbeitet werden kann.

Wenn Sie Milch mit Hafermilch ersetzen, dann vermehren Sie Ihren Konsum an veganer Biomasse auf Kosten der Tiere. Die Kühe fressen idealerweise Gras und Rückstände aus der Produktion pflanzlicher Lebensmittel. Das heißt, sie holen mit ihrem komplizierten Pansenfunktion weitaus mehr aus der Biomasse heraus, als Menschen es mit ihrem recht einfachen Verdauungstrakt je könnten.

Die Viehhaltung, der zweite Kreislauf in der Landwirtschaft nach dem Pflanzenanbau, liefert uns also praktisch nebenbei zusätzlich eine große Menge an Energie und Eiweiß. Das heißt: Wenn wir diesen zweiten Kreislauf weglassen, etwa indem wir komplett auf Hafermilch umstellen, dann müssen wir zum Ausgleich die vegane Produktion massiv erhöhen.

Die Wiederkäuer .(…). überleben in Gegenden, in denen viele andere Tiere kein Futter finden. Das schafft die Kuh, weil sie einen Pansen voller Mikroorganismen hat. Die Kuh frisst nämlich gar kein Gras. Sie füttert vielmehr ihre Pansenmikroben mit Gras und frisst das, was die Mikroben daraus machen: verwertbare Abbauprodukte als Energiequelle und die Mikroorganismen selbst als hochwertiges Eiweiß. Das ist bei einer ordentlichen Milchkuh jeden Tag ein Putzeimer voll veganes Protein. Und das mit einem Futter, das der Mensch gar nicht essen kann!

Wir müssen in Zukunft überall dort pflanzliche Nahrung für Menschen erzeugen, wo es geht. Stellen Sie sich die landwirtschaftliche Nutzfläche der ganzen Welt als ein Fußballfeld vor. Dann ist nicht einmal der Strafraum als Acker nutzbar. Deshalb ist es so wichtig, die Tierhaltung ohne Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion zu organisieren. Mit Wiederkäuern geht das gut, mit Hühnchen nicht, die brauchen anderes Futter. Wir werden aber auf jeden Fall weniger Fleisch essen und auch weniger Milch trinken als heute.

Die Laborfleischerzeugung ist eine regelrechte Vernichtungsmaschine für vegane Lebensmittel. Was da passiert, ist nur eine andere Form der Nutztierhaltung – mit sehr hohem Aufwand. Dafür nimmt man das höchstwertigste vegane Futter, das Sie sich vorstellen können, nämlich reine Glukose, dazu Amino- und Fettsäuren. Anders gesagt: Mit Laborfleisch haben wir nichts gewonnen, außer dass wir dafür kein Tier schlachten müssen.“

Quelle: FAZ, (gekürzt von Uwe Weddige)

Foto: Weddige